Am Schilfrand

Am Schilfrand

5. August 2020 0 Von Günther Knoll

War`s das schon wieder? Das frage ich mich immer Anfang August, wenn an den warmen Sommerabenden in der Stadt nichts  mehr zu hören und zu sehen ist von der wilden Jagd der Mauersegler. Diese Zugvögel machen sich schon sehr bald auf ihren Weg in ihre Überwinterungsquartiere, wobei nicht ganz klar ist, ob sie der direkt nach Süden führt oder erst einmal noch weiter nach Norden, wo ihnen Mückenschwärme ergiebige Jagd versprechen.

Den Seglern folgen bald andere, es wird generell stiller um die heimische Vogelwelt. Denn vor dem Zug ist Fressen angesagt, damit der Körper für die Strapazen des weiten Flugs gut gerüstet ist.  Wenn es ruhig wird um Kuckuck und Pirol, gibt es  anderes zu beobachten. Der Limikolenzug hat eingesetzt und mit den Watvögeln lassen sich auch Rallen, Hühner- und Reihervögel als Durchzügler bei uns sehen. Allesamt eher scheue Spezies, doch wenn du geeignete Stellen kennst, meist sumpfige Flächen am Schilfrand von Gewässern, dann ist jetzt die Zeit nach echten Raritäten Ausschau zu halten: Tüpfelsumpfhuhn, kleines Sumpfhuhn, sogar Rallenreiher sowie Zwerg- und Rohrdommel. Die Vögel legen Fresspausen ein auf ihrem Weg in den Süden und tun dies im Schilf verborgen.  In Foren für Vogelbeobachter wie etwa www.ornitho.de lassen sich die entsprechenden Meldungen finden.

 

Geduld ist beim Beobachten oberstes Gebot, auch wenn die nach dem  siebten immaturen Teichhuhn ganz schön strapaziert wird. Dann aber grunzt plötzlich eine Wasserralle. Ja, sie hat das Grunzen tatsächlich in ihrem Repertoire und es klingt fast wie das eines Ferkels. Und plötzlich lässt sich dann auch noch schnarrend ein Rohrschwirl hören, während die Ralle ganz langsam und vorsichtig aus dem Schilf schlüpft, um im Schlick mit ihrem langen Schnabel nach Nahrung zu suchen. Eine große Möwe fliegt über uns hinweg,  und schon ist die Wasserralle wieder verschunden.

Auch dieser Vogel ist selten geworden. Als ich ein kleiner Bub war, konnte ich ihn immer wieder an den Gewässern direkt am ##Freisinger Stadtrand sehen. Da, so kann ich mich erinnern, nahm die scheue Ralle sogar vor Zwergtauchern Reißaus, um aber bald darauf ein paar Meter weiter wieder aus dem Schilf aufzutauchen. Das tut sie auch jetzt und ich kann ihren langen roten Schnabel gut erkennen ebenso wie das Graublau von  Gesicht und Brust sowie die schwarzweiß gebänderten Flanken. Ein schöne  Entschädigung für das etwas kleinere Tüpfelsumpfhuhn, das ich  nicht zu Gesicht bekomme. Noch nicht, denn der Vogelzug (www.nabu.de #vogelzug) hat erst begonnen.