Schwalben am Schloss

Schwalben am Schloss

7. August 2020 0 Von Günther Knoll

Sechs Uhr früh, die Sonne geht gerade auf an diesem Tag, ideale Bedingungen für einen Spaziergang im Schlosspark Nymphenburg. Wo im Juni um diese Tageszeit noch ein lautstarkes Vogelkonzert das Heraushören der einzelen Singvogel-Stimmen schwierig machte, ist es jetzt relativ still.  Was sollen auch Balz- und Reviergesänge, wenn die Jungen  schon ausgeflogen sind?.

Der Junghabicht, der heuer im Park ausgebrütet wurde, sitzt offenbar noch im Horst , wie  seine Bettelrufe vermuten lassen. „Füttert mich!“ fordert er lautstark von seinen Eltern, nicht mehr so jämmerlich wie noch vor kurzem. Bald wird er selbst auf Beutejagd gehen, das wird ihm hier im Park bei dem großen Angebot an Wasser-  und anderen Vögeln nicht schwer fallen. Die vielen Buntspechte sind in den vielen alten Laubbäumen so zahlreich, dass ihre zeternden Rufe  das ganze Jahr zu vernehmen sind.

Zwei Waldkäuze sitzen träumend in ihren Tageseinständen. Wenn  man diese weiß, sind die Käuze eigentlich immer zu beobachten. Es vergeht wohl kein Tag, an dem sie nicht irgendwelchen Fotografen Modell sitzen, stoisch herabblickend auf die seltsamen Käuze, die da unten mit seltsamem Gerät herumhantieren. Auch der Eisvogel hat hier im Park sein Revier. Jetzt, wo alles belaubt ist, lässt er sich allerdings nicht so leicht finden.

Und dann zum Schluss eine  Überraschung: Die ersten Schwalben sammeln sich bereits vor dem Schloss. Auf dem Dach des Nordflügels machen sie Pause, um von dort immer wieder in einer Wolke loszustarten zur nächsten Insektenjagd.  In der Hauptsache sind es Rauchschwalben,  einige wenige haben sogar in Seitengängen des  Schlosses gebrütet. Doch auch ein paar Uferschwalben haben sich dazugesellt, sie sind an ihrer geringeren Größe, der  bräunlichen Färbung und dem grauen Brustband gut zu erkennen.

Diese grüne Oase im Westen der Großstadt zieht immer wieder auch Raritäten an: Ich  konnte im  Park zum Beispiel schon Wasserrallen,  Waldwasserläufer, Seidenschwänze,Waldlaubsänger und Moorenten beoachten. Heuer brütete sogar ein Halsbandschnäpper. Nicht nur wegen seiner hochherrschaftlichen Gartenkunst und Architektur hat der Park einiges zu bieten.