Konzert am Flughafen

Konzert am Flughafen

11. März 2021 0 Von Günther Knoll

Es ist absurd: Ich stehe an der Südostecke des Münchner Airports direkt am Flughafenzaun und erlebe das erste wirkliche Vogelkonzert dieses Frühlings. Gerade hat es noch geregnet an diesem Märzvormittag, jetzt reißt der Himmel ein wenig auf und der Wind wird stärker. Offenbar animiert das die Vögel zu besonderen Gesangsaktivitäten. Auf den Rasenflächen im Vorfeld der südlichen Landebahn fliegen die Kiebitze auf mit ihren jauchzenden Schreien. Immer wieder starten auch Brachvögel, die hier ihr größtes Vorkommen in ganz Oberbayern haben, zu Revierflügen in die Luft. Sie lassen dabei ihre weithin flötenden Rufe ertönen. Feldlerchen singen sich die Seele aus dem Leib, während sie sich in die Höhe schrauben.

Auf sie alle habe ich freien Blick. In meinem Rücken aber steht ein kleiner, noch kahler Laubwald. Auch da wurde offenbar der Sängerwettstreit ausgerufen, ohne dass sich die Teilnehmer besonders gut blicken ließen. Mindesten vier Singdrosseln mache ich aus, sie sind tonangebend mit ihren vielen Strophen, die sie immer drei- oder viermal wiederholen. An zwei Stellen lässt die Heckenbraunelle ihre klingelnde Strophe vernehmen. Mehrmals fällt der Grünspecht ein mit seinem unverkennbaren Lachen, während sein Vetter, der Buntsprecht, den Schlagzeuger gibt und die Gesänge mit Trommelwirbeln untermalt. Es heißt genau zuzuhören: Goldammern tun so, als wäre der Anfang von Beethovens Neunter ihr eigenes Ding, dazu kommt das Rotkehlchen mit seiner ganz eigenen perlenden Sopranarie. Buch- und Grünfinken mögen es derber: Sie plärren ihre Frühlingsbotschaft in die klar Luft: Das ist mein Platz, wo bist du, mein Weibchen? Selbst das monotone Pfeifen eines Kleibers passt in diese Sinfonie, Kohl-, Blau – und Sumpfmeise weben mit ihren Rufen an diesem satten Klangteppich mit.

Nur als zwei Fasanen aufflattern und schnarrend rufen, will das nicht so recht in diese Kompostion der Natur passen. Vorgebucht hatte ich das Konzert nicht, ich hatte nur mein Auto in der Nähe beim Reifenwechsel. Als ich es abhole, höre ich dort dann auch noch meinen ersten Girlitz in diesem Jahr.